Auf dem Bild sitzen Agraroekologin Dr. Angelika Hilbek und Videobloggerin Lana beim Interview.

Insider-Wissen aus der Agrar- und Chemieindustrie. Interview mit Dr. Angelika Hilbeck

In Reisen, Besuche & Interviews by Sandra ExlLeave a Comment

Agrarökologin Dr. Angelika Hilbeck gibt offen Auskunft über die Machenschaften der Big Player der Agrar- und Chemieindustrie. Sie schildert, wie Monsanto und Co vorgehen, welche Rolle die Politik spielt, wie kritische Forscher und ihre Studien systematisch diskreditiert werden und wie die Zukunft der Landwirtschaft aussehen könnte.

Dr. Angelika Hilbeck ist Dozentin und Forscherin am Institut für Integrative Biologie an der ETH Zürich und leitet dort die Gruppe Biosicherheit & Agrarökologie. Sie ist Expertin für gentechnisch veränderte Pflanzen und deren Auswirkungen auf Ökosysteme. Seit 25 Jahren beforscht sie die Risiken der Gentechnologie in Bezug auf Umwelt und Landwirtschaft. Ich freue mich sehr, Dr. Hilbeck getroffen zu haben und euch mit diesem Beitrag eine Zusammenfassung ihres unglaublichen Insiderwissens bezüglich dieser Thematik zu geben. Bevor ihr weiter unten die Videoplaylist zum Interview findet, habe ich einige wesentliche Fakten zur Gentechnik und Agrarindustrie für euch zusammengetragen.

Gentechnik und ihre Versprechen

Als in den 90er Jahren die Gentechnologie in der Landwirtschaft erstmals zur Anwendung kam, wurde sie als die Lösung für die richtig großen Probleme der Welt dargestellt. Gentechnik in Kombination mit patentierter Chemie wurde als die einzige Möglichkeit präsentiert, den Welthunger abzuschaffen, Armut zu reduzieren und Umweltprobleme wie Klimawandel zu lösen. Mit diesen Argumenten sind die Firmen in den 1990er Jahren eingestiegen und obwohl nichts davon im Entferntesten eingetreten ist, wird noch immer mit genau den gleichen Versprechen argumentiert.

Fakten zur Gentechnik in der Landwirtschaft

  • Die Eigenschaften. Zwei Eigenschaftstypen machen heute 99 % aller gentechnisch veränderten (GV) Pflanzen aus: Herbizidresistenz und Insektenresistenz. Herbizidresistenz bei Pflanzen ist mit Abstand die häufigste Eigenschaft, die durch Gentechnik erzielt wird und bedeutet, dass die Pflanze so verändert wird, dass ihr ein Totalherbizid wie Glyphosat nichts ausmacht. Alles andere, was grün ist, stirbt durch das Spritzmittel. Insektenresistenz durch Gentechnik bedeutet, dass der Pflanze ein Gen eines Bakteriums (Bacillus thuringiensis, Bt) eingebaut wird, durch welches sie selbst im Stande ist, ein Insektizid zu produzieren und sich gegen Fraßschädlinge zu wehren. Diese beiden Eigenschaften werden auch kombiniert.
  • Die Organismen. Die vier wesentlichen Pflanzen, bei denen diese Eigenschaften eingebaut werden und die man im großen Stil anbaut, sind Soja, Mais, Baumwolle und Raps.
  • Die Länder. Knapp 90% des gesamten Anbaus dieser GV Pflanzen befinden sich in Nord- und Südamerika. Die restlichen 10% belaufen sich hauptsächlich auf Asien und Australien, wo vor allem GV Baumwolle angebaut wird. In Europa gibt es so gut wie keinen Anbau von GVOs (Gentechnisch veränderte Organismen), jedoch wird viel importiert – vor allem für Tierfutter. Ja, unsere Nutztiere fressen gentechnisch veränderte Futtermittel und es muss nicht gekennzeichnet werden. Eine Sorte GV Mais ist in Europa auch für den Anbau zugelassen – ein Bt-Mais, der MON810. Die meisten Länder haben allerdings von einer Klausel Gebrauch gemacht, die ihnen erlaubt, obwohl die EU-Komission die Pflanze zulässt, von dieser Vereinbarung auszusteigen. Im Wesentlichen wird nur auf der iberischen Halbinsel dieser Bt-Mais angebaut – kleine Mengen in Portugal und nennenswerte Mengen nur im Norden Spaniens.

Gentechnik fördert die Ausbeutung der Erde

Die unvorstellbar großen Anbauflächen, die zu industriellen Agrarwüsten geworden sind und mit einem herkömmlichen Acker nichts mehr gemeinsam haben, wären ohne die Gentechnologie nicht denkbar. Erst durch die herbizidresistenten Pflanzen ist die großflächige Ausbringung von Glyphosat unter Flug möglich geworden. Dass diese Form des Raubbaus an der Erde enden wird, ist sicher. Denn die Rohstoffe für diese Form der Landwirtschaft, wie Unmengen an Wasser und Phosphor, werden früher oder später ausgehen. Ob hier die Natur die Grenzen aufzeigen wird oder die Menschen vorher auf alternative Systeme umsteigen, ist die große Frage. Die Landwirtschaft steht am Scheideweg. Produktivitätssteigerung vs. nachhaltiges Wirtschaften sind hier die Schlagworte. Die digitalisierte Roboterlandwirtschaft mit großem Chemie- und Gentechnik-Einsatz benötigt Unmengen an billiger Energie und zerstört unsere Erde. Das streitet mittlerweile auch niemand mehr ab.

Glyphosat-Resistenzen von Unkräutern

In den Haupt-Anbaugebieten von GV Pflanzen gibt es nun das große Problem, dass Glyphosat teilweise nicht mehr wirkt, da die Unkräuter dagegen resistent geworden sind. Ebenfalls haben Schädlinge Resistenzen gegen das Gift des Bt-Mais ausgebildet, der nun mit Insektiziden behandelt werden muss, obwohl er das Gen für Insektenresistenz hat.

Der Chemie-Einsatz ist durch die Gentechnik enorm angestiegen und hat den Umsatz von Glyphosat auf eine ganz andere Ebene gebracht, seit man es auf lebende Pflanzen aufbringen kann. Dass der Pestizid-Einsatz so enorm gestiegen ist, ist keine Überraschung, denn die Entwickler von GVOs sind Chemiefirmen, die sich natürlich ihr Chemiegeschäft mit GVOs nicht vermiesen wollten, sondern es phänomenal angekurbelt haben.

Das Interview mit Dr. Angelika Hilbeck – Gentechnik, Monsanto und Glyphosat

Wie wird es mit Glyphosat weitergehen? Wie reagieren Monsanto und Co auf die Glyphosat-Resistenzen von Unkräutern? Wie kommt Glyphosat in unser Bier und wieso gibt es so wenige kritische Studien zu gentechnisch veränderten Pflanzen? Wieso ist der Bauernstand und das bäuerliche Wissen in Gefahr? Diese und noch viele weiter Fragen behandelt Dr. Hilbeck sehr offen und mutig in den folgenden 4 Videos.

Für uns war dieses Gespräch mit Dr. Hilbeck äußerst interessant und ihre offenen Worte sehr beeindruckend und augenöffnend. Ich hoffe, euch ist es ebenso ergangen und ihr seht dieses Interview als wertvollen Beitrag in Sachen Aufklärung und Bildung auf dem Gebiet der Landwirtschaft. Die Macht von uns Bürgern und Konsumenten ist bei all dem nicht zu unterschätzen. Aus meiner Sicht haben wir 2 Möglichkeiten, um alles zum Besseren zu wenden: 1. Unser Konsumverhalten - ich kaufe bei regionalen Biobauern am Markt den Großteil meiner Nahrung und 2. Druck auf die Politik - es gibt viele gute Umweltorganisationen, die Unterschriften sammeln - ich beteilige mich bei allem, was ich für sinnvoll erachte. Der Grund, warum z. B. die meisten europäischen Länder keinen Anbau von GVOs zulassen, ist vor allem der Gegenwind aus der Bevölkerung. Also mein Appell: Werden wir nicht zu faulen und trägen Dummköpfen sondern informieren wir uns und werden aktiv für eine lebenswerte Zukunft. Ich glaube, Unwissenheit ist heutzutage eine Entscheidung!

Eure Sandra

aka LANA - Lebe Artgerecht, Nicht Angepasst

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