Auf einem Tisch liegen Low Carb Lebensmittel wie Fisch, Eier, Fleisch und Gemüse.

Low Carb – Gefährliche Mode-Diät oder gesunde Ernährungsform?

In Gesundheit by Sandra Exl

Was ist Low Carb? Wie funktioniert das Prinzip der ketogenen Ernährung? Das und meine Erfahrungen mit einer Low Carb Diät beschreibe ich hier.

In diesem Artikel setze ich mich mit einer sehr umstrittenen Ernährungsform auseinander – der Low Carb Diät. Einer Diät, bei der man die Kohlenhydrate sehr reduziert oder fast gänzlich vom Speiseplan streicht. Ich berichte sowohl von meinen Recherchen als auch meinen eigenen Erfahrungen mit dieser Thematik.

Mein großes Interesse für die unterschiedlichen Ernährungsformen und wie sie auf uns Menschen wirken, entwickelte sich bei mir bereits im Teenageralter. Der Grund war pure Verzweiflung über meinen langen, dürren Körper. Der Grundsatz, mehr Essen bringt mehr Körperfülle, schien bei mir nicht zu gelten und so begab ich mich auf die Suche nach einer Lösung für mein „Bohnenstangen“-Problem. Ich tauchte in die Welt der Ernährungsweisheiten ein und las alles, was ich dazu in die Finger bekam. Die heiß ersehnte Lösung für mein persönliches Problem lieferte mir keine der verschiedenen Ernährungstheorien, doch fand ich diese Thematik unglaublich spannend. Aussagen wie „Der Mensch ist, was er isst“ machten mich neugierig und führten mich über ernährungsphysiologische Belange hin zu ethischen Fragen der Lebensmittelproduktion. Diese Themen machen nun einen großen Teil meines Blogs aus. Ab meiner Pubertät entwickelte ich mich immer mehr hin zu einer vollwertigen Bio-Ernährung, die vorwiegend pflanzlich ist, aber momentan auch tierische Lebensmittel nicht ausschließt.

Low Carb – Wie ich darauf stieß

Dem Low Carb Thema hatte ich als leidenschaftliche „Pflanzenfresserin“ sehr lange absolut keine Aufmerksamkeit geschenkt. Kaum Obst und Gemüse, dafür ständig Eier, Topfen und Fleisch zu essen, war so fern meiner Wohlfühlernährung, dass ich mich nicht einmal theoretisch damit auseinandersetzen mochte. Doch dann stieß ich eines Tages auf ein Buch, dessen Titel mich ansprach und welches ich obendrein gratis auf meinem E-Book ausleihen konnte. Außerdem interessierte mich die Geschichte der Autorin, die beschrieb, wie sie unglaubliche 60 kg abgenommen hatte. Obwohl die Leidensgeschichte der Autorin genau das Gegenteil war von der meinen, fing ich an, das Buch zu lesen. Ich merkte schnell, dass es hier um die mir so unsympathische Low Carb Thematik ging und normalerweise hätte ich mich keine Minute länger mit diesem Buch beschäftigt, wenn mich die Autorin mit ihrer Art zu schreiben nicht schon gefesselt gehabt hätte. So war ich also gezwungen, weiter zu lesen. „Ich kann auch schlank“ nennt Kirsten Wendt ihren Erfahrungsbericht darüber, wie sie sich praktisch halbiert hat. Was mich neben ihrem erfrischenden Schreibstil so faszinierte, war nicht unbedingt die Tatsache, dass man mit einer Low Carb Diät abnehmen kann – das wusste ich bereits. Mich faszinierten ihre Schilderungen, wie sie ihre sehr häufig auftretende Migräne fast loswurde, ihr Bluthochdruck verschwand (und zwar schon bevor sie nennenswert an Gewicht verloren hatte) und sie sehr schnell viele weitere gesundheitliche Verbesserungen feststellte. Dennoch war ich skeptisch, was diese „Eiweißmast“ anging, aber zumindest war mein Interesse geweckt, zu dieser Thematik einige Recherchen einzuholen. Ich begann nach seriösen Studien zu suchen, las etliche Bücher und war schlussendlich sehr verblüfft, wie viel Positives so eine Ernährungsweise zu bewerkstelligen schien. Am allermeisten wurde mein persönliches Interesse an der Thematik dadurch geweckt, dass etliche Studien eine signifikante Leistungssteigerung im Alltag und beim Sport ergaben. Ich bin nun wirklich nicht das, was man einen leistungsorientierten Menschen nennt, doch eine Ernährungsweise, die einem eine Extra-Portion Energie zur Verfügung stellen würde, machte mich unheimlich neugierig.

Low Carb – Das Prinzip

Bei meinen Recherchen stieß ich auf die unterschiedlichsten Low Carb Diäten. Diäten, die statt Kohlenhydrate viel Fett und mäßig Eiweiß empfehlen, andere wiederum, die kaum Fett, dafür Unmengen an Eiweiß anpreisen. Auch im Grad der Kohlenhydratreduktion unterscheiden sie sich. Manche empfehlen eine einfache Reduktion von vor allem Getreideprodukten (Gebäck, Nudeln, Süßigkeiten usw.) und andere verbieten Kohlenhydrate fast zur Gänze (maximal eine Karotte am Tag und sonst nur Tierisches). Was diese extreme Variante angeht, ist der Gedanke dahinter folgender: Der Körper bezieht seine Energie bei „normaler“ Ernährung in erster Linie und am liebsten aus Kohlenhydraten. Wenn man ihm diese Energiequelle vorenthält, muss er sich wohl oder übel seiner zweitliebsten Energiequelle bedienen, nämlich Fett. Diese Art, Energie zu gewinnen, ist für den Organismus mit einer Stoffwechselumstellung verbunden, die zwar ca. eine Woche etwas körperlichen Stress bedeutet (Müdigkeit, Kopfschmerzen…) aber dann eine Vielzahl von Vorteilen bringen soll. Dieses Stoffwechselprogramm ist eigentlich ein Notprogramm des Körpers, das auch beim Fasten gestartet wird und nennt sich Ketose. Diese extreme Form der Low Carb Diät heißt ketogene Diät. Der Name Ketose und ketogene Diät kommt daher, dass im Körper aus Fettsäuren Keton-Körper gebildet werden, die dann zu Glucose umgewandelt werden, die schlussendlich die Energie bringt. Diese Ernährungsform ist schon seit den 1920-er Jahren dafür bekannt, dass sie Epilepsie bei Kindern sehr gut eindämmen und die Anfallsrate bis zu 90 % senken kann. Doch ist diese Ernährungsweise auch für gesunde Menschen sinnvoll? Der zentrale Punkt bei dieser Diät ist, dass man nur maximal 30 g Kohlenhydrate am Tag aufnehmen darf, sonst macht man den ketogenen Effekt sofort zunichte. Dieser sorgt dafür, dass die Fettverbrennung ordentlich angekurbelt wird und gleichzeitig mehr Wachstumshormon ausgeschüttet wird.

Wie wirkt das Wachstumshormon?

Beim erwachsenen Menschen ist das Wachstumshormon für die Zell- und Gewebsregeneration, Knochenfestigkeit, Gehirnfunktion und den Muskelaufbau verantwortlich. Es senkt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, hat eine verjüngende Wirkung auf alle Organe, revitalisiert das Immunsystem, kurbelt die Sexualfunktionen an und fördert die psychische Gesundheit. Im Laufe des Lebens kommt es zu einer kontinuierlichen Verminderung der Wachstumshormonsynthese. Die typischen Alterserscheinungen stehen direkt im Zusammenhang mit dem Mangel an Wachstumshormon. In den USA gibt es Anti-Aging-Therapien auf Basis von Wachstumshormoninjektionen. Dies ist bei uns nicht erlaubt. Jedoch gibt es Methoden, die natürliche Produktion anzukurbeln, wie eben die ketogene Diät.

Meine Logik sagte mir, dass so eine Ernährungsform zwangsläufig zur Übersäuerung des Organismus führen muss und somit auf Dauer sehr schädlich sein müsste. Da ich jedoch meiner Neugierde nicht auskam, startete ich das Selbstexperiment.

Low Carb – Das Selbstexperiment

Ich strich jegliches Getreide von meinem Speiseplan, aß nur noch sehr wenig Obst und Gemüse, dafür aber Unmengen an Eiern, Käse, Topfen und hin und wieder auch Fisch. Gerade zu Beginn fühlte ich mich immer sehr satt und meine Kreationen schmeckten mir auch sehr gut. Ich hatte weder Kopfweh, noch litt ich unter Müdigkeit, die in den ersten Tagen zu erwarten gewesen wäre. Mein Körpergefühl war erstaunlich frisch und ich fühlte mich sehr energiegeladen. Ich brauchte weniger Schlaf und hatte einen unglaublichen Bewegungsdrang. Tatsächlich stellte sich eine signifikante Leistungssteigerung ein und ich fühlte mich sehr gut. So gut das Ganze auch klingen mag, kommt jetzt das große ABER. Nach etwa einem Monat wandelte sich der Bewegungsdrang in unangenehme Unruhe (restless legs), ich bekam Durchschlafprobleme, meine Verdauung war miserabel und meine Stimmung auch. Außerdem war es meinem äußeren Erscheinungsbild auch nicht zuträglich, da der Körper trotz eines Minimums von 2200 kcal am Tag, sehr sehnig wurde. Nach 2 Monaten der vielgepriesenen Ketose, entschied ich, dass meine Neugier gestillt war, und ich beendete dieses Ernährungsexperiment.

Ursache – Serotoninmangel

Was mir da passiert war, ist ganz leicht zu erklären. Wie ich bereits im Blogeintrag über Serotonin, unserem Wohlfühlhormon Nummer 1, dargelegt hatte, gibt es gute Studien darüber, welche Ernährungsweise die Bildung dieses Glücksspenders in unserem Gehirn begünstigt. Es ist eine eiweißarme Ernährung. Große Mengen an tierischem Eiweiß behindern die Serotoninbildung sogar. Meine Unruhegefühle und die gedämpfte Stimmung waren also die direkte Folge von Serotoninmangel. Auch die Schlafstörungen und Darmprobleme sind typische Anzeichen dafür. Symptome einer Übersäuerung konnte ich in dieser kurzen Zeit nicht eindeutig identifizieren, aber mit meinem Wissen über den Säure-Basen-Haushalt, gehe ich davon aus, dass ich über kurz oder lang auch diese zu spüren bekommen hätte, da man bei dieser Diät fast ausschließlich Säurebildner zu sich nimmt. Ich kann euch natürlich nicht sagen, wie sich eine solche Diät bei jedem einzelnen auswirken kann. Der Autorin des oben erwähnten Buchs, Kirsten Wendt, ist es mit dieser Diät nicht so ergangen wie mir. Auch einige Erfahrungsberichte von Sportlern, die ich im Vorfeld gelesen hatte, erwähnten nichts von den Symtomen eines Serotoninmangels.

Interview mit Dr. Ruediger Dahlke

In diesem Interviewausschnitt spreche ich mit Ruediger Dahlke über die Sinnhaftigkeit einer Low Carb Ernährung. Dahlke propagiert eine Form der Low Carb Ernährung, die pflanzenbasiert ist, sogar rein vegan und glutenfrei. Vor allem bei Krebs und neurodegenerativen Erkrankungen wie Altsheimer (Demenz) kann eine ketogene Ernährungsform eine Heilung bewirken. Aber seht selbst, was wir da so besprechen:

Low Carb – Meine Schlussfolgerung

Gemüse ErnährungMeine Conclusio zum Thema Low Carb ist, dass es für mich persönlich keine permanente Ernährungsform darstellen kann, aber im Zuge einer abwechslungsreichen Ernährung machen Low Carb Gerichte, vor allem abends, durchaus Sinn. Getreideprodukte (v. a. Weißmehlprodukte) zu reduzieren und dafür mehr Obst und Gemüse zu essen, wäre für viele Menschen von großem Vorteil. Die Folgen der üblichen Weißmehl- und Zucker-Mast, gepaart mit viel tierischem Eiweiß und Fett, können wir nicht wegleugnen. Die sogenannten Zivilisationskrankheiten überschwemmen nun leider auch immer mehr Europa. Die Medien berichten auch fleißig über die dramatische Entwicklung – Diabetes, Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs – alles immens im Steigen begriffen. Und zwischendrin absurder Weise die Milka- und Cola-Werbung…

Ich selbst habe meine Wohlfühlernährung gefunden, indem ich eine gute vollwertige pflanzliche Basis habe und von der ausgehend esse ich zusätzlich alles, was mir schmeckt. Hin und wieder auch Fleisch – da achte ich allerdings darauf, dass es von unseren Bio-Bauern stammt, die noch am Hof schlachten dürfen.

Am Ende muss man eine Ernährungsform für sich finden, die alltagstauglich ist und einem auch schmeckt. Alles andere geht auf Dauer nicht. Es kann eine zeitlich begrenzte Low Carb Diät für manche Menschen, die z. B. an Übergewicht oder Diabetes leiden, sehr vorteilhaft sein, wie Studien belegen. Ihr müsst euch nur im Klaren sein, dass jeder Organismus einzigartig ist und keine Studie der Welt über genau euren Körper irgendwelche Aussagen machen kann. Nur ihr selbst könnt die Reaktionen und Befindlichkeiten eures Körpers kennenlernen, wenn ihr in euch hineinfühlt und gewisse Dinge einfach ausprobiert. Bei manchen Experimenten – und dazu würde ich auch eine ketogene Diät zählen – solltet ihr einen Arzt als Berater an eurer Seite haben, ganz besonders, wenn ihr nicht vollständig gesund seid.

Ich habe auch ein Video aufgezeichnet, in dem ich über diese Thematik spreche:

Nun hoffe ich, dass euch meine Low Carb Ausführungen einen guten Einblick in die Thematik vermitteln konnten. Ich wünsche euch alles Gute,

Eure Lana

Übrigens: Eine Variante der Low Carb Ernährung, die all die Nachteile einer „Eiweißmast“ nicht mit sich bringt, habe ich in diesem Artikel behandelt.

Meine Literaturempfehlung zum Thema Low Carb

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